Wenn der Kollege oder sogar ein guter Freund zum Geschäftspartner wird, kann das viele Vor-, leider aber auch einige Nachteile mit sich bringen. In zahlreichen Gesprächen mit betreffenden Personen in meinem Bekanntenkreis, die selbst mit guten Bekannten oder engen Freunden eine Firma gegründet haben sowie anhand meiner eigenen Erfahrungen wurde dies immer wieder deutlich.
Angenommen zwei enge Freunde sitzen abends bei einem guten Glas Wein auf der Terrasse und hecken einen “todsicheren” Plan für eine neue Geschäftsidee aus. Todsicher deshalb, weil zum einen die Idee natürlich einer Goldgrube entspricht, mit der in der Zukunft unendlich viel Erfolg und Umsatz generiert wird. Zum anderen aber, weil die Zusammenarbeit mit dem Gegenüber – dem guten Freund – spitzenmäßig wird. Probleme können ja überhaupt nicht auftauchen, da man sich bereits seit Jahren kennt, regelmäßig Zeit bei Sport und Ähnlichem miteinander verbringt und in dieser ganzen Zeit nie ein echter Streit entstanden ist. Warum also nicht auch auf beruflicher Ebene gemeinsame Sache machen?
So weit so gut. Mit solch einer Denkweise wie oben beschrieben sind mit Sicherheit schon viele in eine private (z.B. Hochzeit) – oder in unserem Fall – berufliche Zweisamkeit gestartet – mit der rosaroten Brille auf der Nase und voller guter Vorsätze. Nichts desto trotz möchte ich nachfolgend ein paar Punkte ansprechen, die man bei geschäftlichen Partnerschaften – speziell mit guten Bekannten und Freunden – beachten sollte.
1. Halten Sie die geschäftliche Zusammenarbeit unbedingt in einem Gesellschaftervertrag schriftlich fest und wenn der Andere noch so ein guter Freund ist. Sollte es (wider Erwarten) doch zu einem Zwist kommen, werden beide Seiten froh sein, dass für den Fall der Fälle alles schriftlich sauber geregelt ist. Es ist absolut empfehlenswert hierfür einen Rechtsanwalt mit einzubinden, der als Berater und Vermittler agieren und hilfreiche Tipps geben kann, auf was geachtet werden sollte.
2. Stecken Sie im Vorfeld so weit es geht bereits die jeweiligen Aufgabengebiete der einzelnen Personen ab. Wer ist für Marketing und Vertrieb zuständig? Wer kümmert sich um das Business Development und die rechtlichen und steuerlichen Aufgaben? Wer ist für das Produktmananagement oder den Einkauf verantwortlich? Je deutlicher Sie hier bereits vor Gründung Klarheit schaffen, desto effizienter und reibungloser können die einzelnen Partner arbeiten. Man vermeidet doppelte Arbeit und Frustmomente, weil der Eine womöglich in dem Revier des Anderen “gewildert” hat.
3. Wenn Geschäftspartner vom Charakter und Auftreten her unterschiedlich sind, muss das kein Nachteil sein. Nicht umsonst gibt es das Sprichwort “Gegensätze ziehen sich an”. Schauen Sie wo die Stärken der einzelnen Personen liegen und fördern Sie diese. Meist ist es so, dass einer der Geschäftspartner eher der Kommunikator ist. Das sollten Sie sich zu Nutze machen und diesen dann verstärkt bei öffentlichen Auftritten, Vertriebsaktionen und beim Netzwerken einsetzen. Der Andere dagegen hat ein ausgeprägtes Zahlenverständnis und ein Gespür für Design. Das heißt er kann sich um die Organisation (Buchhaltung etc.) und die Gestaltung der Werbemittel etc. kümmern.
4. Es ist ganz wichtig, dass Geschäftspartner miteinander reden, auch wenn es mal dicke Luft gibt. Es gibt wohl nichts Schlimmeres, als aufgestauten Frust mit sich herumzuschleppen. Und dieser Frust wird höchst wahrscheinlich von Zeit zu Zeit wieder auftauchen. Suchen Sie in solchen Situationen den Weg des Dialogs und sprechen Sie offen – aber in dem richtigen Ton – an, was Ihnen auf dem Herzen liegt. Schieben Sie den Frust oder die negativen Gedanken nicht auf die lange Bank – reden Sie!
5. Seien Sie sich im Klaren darüber, dass Ihr Geschäftspartner unter Umständen nicht immer dieselben Vorstellungen haben wird wie Sie. Speziell wenn es um die Arbeitszeiten geht, kann es schnell mal zu Unstimmigkeiten kommen, da es dem Einen nichts ausmacht lange und hart zu arbeiten während der Zweitere eher das Leben genießen und rechtzeitig Feierabend machen möchte. Beide Seiten müssen hierbei darauf achten, dass die unteschiedlichen Arbeitsauffassungen nicht zu weit auseinanderdriften, sonst kann es zu Unstimmigkeiten kommen. Bevor Sie die Gründung fixieren sollten die jeweiligen Ziele und Vorstellungen offen ausgetauscht werden, um zu sehen, ob die gemeinsame Schnittmenge passt oder nicht. Wenn die Unterschiede zu groß sind sollten Sie in Erwägung ziehen auch in Zukunft “nur” gemeinsam ein Tennismatch zu spielen und ein gutes Glas Wein auf der Terrasse zu trinken.
6. Klären Sie, bevor Sie gemeinsam in die Öffentlichkeit, z.B. zu einer Veranstaltung oder einem Kunden, gehen, wie Sie agieren möchten. Wer ist der “Redner” und wer ist der “Supporter”. So würde ich das jetzt mal bezeichnen. Einer muss das Zepter in der Hand haben und den Gesprächspartner an der Hand führen. Der Partner sollte ihn auf diesem Weg mit Ergänzungen und stichhaltigen Argumenten unterstützen. Sie sollten auf jeden Fall aber auf zwei Dinge achten:
- Agieren Sie immer als Team. Es gibt nicht Schlimmeres, als wenn der Gesprächspartner das Gefühl hat, dass sich die beiden Partner nicht einig oder auf einer Wellenlänge sind.
- Fallen Sie sich nicht gegenseitig ins Wort und führen Sie keinen internen Machtkampf um die Gunst des Gegenübers. Dieser wird das sehr schnell erkennen und womöglich versuchen die Situation auszunutzen, um Sie gegeneinander auszuspielen. Agieren Sie wie eine “Wippe”: ist Partner 1 proaktiv, sollte sich Partner 2 etwas zurücknehmen. Und dasselbe umgekehrt. Ist der Eine oben, ist der Andere unten und anders herum. Probieren Sie es aus und lernen Sie aus den Gesprächen, die Sie führen. Mit der Zeit werden Sie sich vermutlich immer besser ergänzen und mit einem guten Gefühl aus dem jeweiligen Gespräch gehen.























Japp, viele unterschätzen die nachteile. oder wollen sie gar nicht wahrnehmen…
@Paramantus: Danke für das Feedback. Ja, das ist ganz offensichtlich so. Bin mir sicher, dass wir beide nicht die Einzigen sind, die das so sehen. Werde öfter mal bei Deinem Blog vorbeischauen – macht einen vielversprechenden Eindruck. Schön, dass es noch richtig gute Satire gibt!
Danke für die Blumen
Was hier dieses Thema betrifft: Ich habe schon an kleineren Projekten gesehen wie freundschaften kaputtgehen können. Zwar war ich nicht betroffen, aber es reichte mir als Warnung…