Kundenakquise
Die täglichen Herausforderungen für Selbstständige und Freiberufler – Teil II
Liebe Leser,
heute folgt Teil 2 aus der Serie “Die täglichen Herausforderungen für Selbstständige und Freiberufler”.
Im ersten Teil bin ich auf die Herausforderungen “Startschuss”, “Kundenakquise”, “Disziplin”, “Ausdauer”, “Einsamkeit” und einige mehr eingegangen. Nun folgt der zweite Teil, und dieses Mal geht es um die Themen “Frustbewältigung” und “Lockerheit”.
Frust bzw. Frustbewältigung – Worte, die bei den meisten wohl nicht wirklich viele positive Assoziationen auslösen. Speziell wenn es um den Aufbau der eigenen Selbstständigkeit geht möchte man genau diese Worte – Frust und Frustbewältigung – nicht hören. Aber sehen wir den Tatsachen einfach mal ins Auge. Vermutlich jeder Selbstständige wird einmal an den Punkt kommen, wo Frust angesagt ist. Vielleicht weil er zu wenige Kunden hat und sich zu Tode langweilt. Oder aber genau das Gegenteil: der Selbstständige hat so viel zu tun, dass er im wahrsten Sinne des Wortes für nichts anderes mehr Zeit bzw. die Muse hat, sei es das Hobby, die Liebste oder die Familie. Ein anderer Grund für Frust könnte sein, dass die Geschäftspartnerschaft nicht so funkioniert, wie man sich das zu Beginn vorgestellt hat. Man ist sich bei wichtigen Fragen nicht einig oder ist genervt, wie der andere seine Aufgaben (nicht) erledigt.
Hier muss man etwas aufpassen und bewusst daran arbeiten, dass man den Frust “bewältigt”. Denn der Frust hat keinen positiven Einfluss auf das eigene Befinden, die eigene Arbeit oder das Umfeld. Im Endeffekt zeigt einem dieser Gemütszustand nur auf, dass man mit der derzeitigen Situation alles andere als zufrieden ist. Dann heißt es: handeln!
Aber wie?
Gute Frage! Denn der Frust sagt einem ganz klar, dass man etwas ganz Bestimmtes haben möchte und im Moment nicht hat oder haben kann. Allerdings wird einem die Brechstange vermutlich nur in den seltensten Fällen weiterhelfen. Man kann sich noch so sehr bemühen, oder besser gesagt “abmühen”, das gewünschte Ziel wird wohl nur selten erreicht. Wirklich weiterhelfen würde wohl eher, die ganze Sache etwas lockerer zu sehen. Ich weiß, das klingt so simpel, ist es aber beileibe nicht. Und trotzdem weiß ich aus eigener Erfahrung, dass es funktioniert. Es bringt wenig, wenn man sich in etwas hineinsteigert. Vielmehr sollte man davon loslassen. Das kann man z.B. dadurch schaffen, dass man die Sache erst mal für eine gewisse Zeit, seien es Stunden, Tage oder Wochen, auf die Seite legt und sich auf etwas anderes konzentriert. Oder einfach mal Abstand gewinnt. Sei es durch ein verlängertes Wochenende mit der Familie im Allgäu, ein Urlaub am Meer oder ein Besuch bei guten Freunden in der Heimat. All diese Dinge haben eines gemeinsam: Sie sollen uns helfen von etwas Abstand zu gewinnen. Vielleicht ein Stück weit auch abzulenken. Aber primär geht es darum zu erkennen, dass man den Frust nicht durch aufkeimende Verzweiflung, Wut oder krampfhaftes Festhalten auflösen kann. Man muss seine innere Freude zurückgewinnen. Und hierbei kann ein Urlaub oder ein Besuch bei engen Freunden Wunder tun. Man gewinnt wieder neue (positive) Lebensenergie, bekommt neue Eindrücke und kann die Seele etwas baumeln lassen. Es fängt im Inneren wieder an zu fließen, und die Lockerheit kann nach und nach zurückkehren. Mit der wiedergewonnen Lockerheit und fließenden Energie werden sich auf einmal wieder neue Türen zeigen und öffnen, die man in den Tagen und Wochen zuvor nicht gesehen hat oder aber gleich gar nicht aufgetaucht sind. Von dem her kann ich nur jedem ans Herz legen: Gerade in schwierigen Momenten sollte man sich mal eine Auszeit gönnen um Abstand gewinnen zu können und wieder zu sich selbst zu finden. Mit der richtigen Einstellung können dann auch die gewünschten Ziele erreicht werden.
Abschließend bleibt mir nur zu sagen: “LET IT FLOW”!
Positive Thinking: Ängste auflösen und loslassen
Lieber Leser,
wer kennt das nicht: Flugangst, Klaustrophobie, Höhenangst. Angst vor Schlangen, Spinnen, dunklen Räumen. Angst vor dem Auftritt vor hunderten von Menschen, Angst vor Misserfolg, Verlustangst.
Vermutlich haben die Meisten unter uns zumindest eine dieser Ängste selbst schon mal im Verlaufe des bisherigen Lebens kennengelernt. Der ein oder andere kann die Angst “erfolgreich” verdrängen und irgendwo im Hinterstübchen des Bewusstseins einschließen. Andere wiederum sind weniger “erfolgreich” und leben womöglich ständig mit dieser Angst. Vermutlich mehr schlecht als recht. Und nochmals Andere machen etwas ganz Anderes: Weder verdrängen sie die Angst, noch verzweifeln sie daran – nein – sie akzeptieren ihre Angst, machen sie sich bewusst und versuchen sie zu verarbeiten. Im ersten Schritt erscheint das wahrscheinlich Vielen als unglaublich anstrengend und unter Umständen schmerzhaft. Da kommt dann schnell mal die berüchtigte Angst vor der Angst auf den Plan. Eine wirklich nicht ganz einfache Situation. Denn wer beschäftigt sich denn schon gerne freiwillig mit den eigenen Ängsten und Angstzuständen? Wohl die Wenigsten unter uns. Und doch ist es wohl so, dass nur die dritte Variante einen Heilungsprozess herbeirufen und zu einer tatsächlichen Auflösung des Problems bzw. zu einer Heilung führen kann.
Betrachten wir das Ganze einfach mal an einem konkreten Beispiel der frei erfundenen Person Peter:
Peter ist seit wenigen Wochen und Monaten Existenzgründer. Er hatte sich wenige Monate zuvor dazu entschlossen seinen alten Job als Marketingberater bei einer größeren Agentur in Frankfurt hinzuschmeißen und stattdessen den steinigen und langwierigen Weg der Existenzgründung zu gehen. Voller Tatendrang machte er sich Tag und Nacht Gedanken zu seiner Geschäftsidee des selbstständigen Marketingberaters, besprach sie mit Familie, Freunden und sonstigen “Beratern”, die ihn unterstützen. Den nötigen Businessplan hatte er innerhalb weniger Wochen geschrieben und das Businesskonzept kam sehr positiv bei potentiellen Geldgebern und Investoren an, sodass er sich an der nötigen Finanzspritze erfreuen konnte. Die nächsten Schritte lauteteten: Aufbau von Corporate Identity und Design mit allem was dazu gehört – von Logo über Geschäftsausstattung und Webauftritt. Schnell war auch das erledigt. So konnte es weitergehen!
Nun hieß es: Kunden gewinnen. Und das am besten schnell, einfach und in großer Zahl. Doch das sollte sich in den ersten Wochen und Monaten alles andere als einfach gestalten. Nach und nach stieg in Peter ein Gefühl des Unbehagens auf. Hatte er etwas falsch gemacht? War seine Geschäftsidee doch nicht so gut wie er meinte? Machte er das Falsche oder schlichtweg zu wenig Marketing? In der Folge befielen Peter immer wieder Zweifel und Ängste. Sein Glaube an die eigenen Fähigkeiten und die positive Grundhaltung, der ihn in den ersten Monaten getragen und ausgezeichnet hatte, war auf einmal auf die Größe einer Kaugummipackung geschrumpft. Und wenn dann auch noch ständig Fragen aus dem Familien- und Bekanntenkreis kamen, wie die Existenzgründung denn anlaufen würde, trug das auch nicht gerade zu einem besseren Gefühl bei, denn man wurde ständig daran erinnert, dass bisher nicht die Umsätze da waren, die man sich selbst gewünscht und vielleicht kalkuliert hatte.
So hatte Peter also mehr und mehr mit Existenzangst zu kämpfen. Und nicht nur das: Auch seiner Partnerin gegenüber fühlte er sich in gewisser Weise schlecht, hatte er doch in der derzeitigen Situation nicht das Gefühl, dass er sie hinreichend beschenken und verwöhnen konnte. Da waren die Zeiten als Angestellter im Vergleich dazu doch gar nicht so schlecht, oder?! Aber nein, er hatte sich nun für diesen Weg entschieden. Er konnte jetzt nicht gleich wieder den Löffel hinschmeißen. Wie konnte er aber in der aktuellen Situation mit seinen Ängsten, Zweifel und Unsicherheiten locker, enspannt und selbstbewusst durchs Leben gehen und gleichzeitig noch neue Kunden und Projekte für sich gewinnen?
Kurz gesagt: Vermutlich kaum oder gar nicht. Peter musste also etwas in seinem Inneren ändern. Er musste lernen seine Ängste zu akzeptieren und gleichzeitig loszulassen. Wie konnte er das schaffen?
Als Erstes versuchte er seine Ängste, Zweifel und negativen Gefühle in Worte zu fassen und schrieb sie nieder. Jetzt konnte er schwarz auf weiß sehen und begreifen, was ihn immer wieder beschäftigte und blockierte. Das ermöglichte ihm, das Ganze nun offen und laut auszusprechen und mit Bezugspersonen (die das Ganze auch tangierte, z.B. der Partnerin) darüber zu sprechen. Das hatte eine lösende Wirkung auf Peter und sein Innenleben. Er musste nun keine Angst mehr vor etwas haben, das an die Oberfläche gekommen war und bereits damit begann sich aufzulösen. Gleichzeitig arbeitete er wieder an einer positiven Grundhaltung indem er seine Ängste mehr und mehr akzeptierte und dankbar dafür war, dass sie da waren. Denn im Endeffekt waren die Ängste nichts Schlechtes. Sie warnten ihn vor etwas, das er nicht wollte. Allerdings war er selbst dafür verantwortlich, dass die Ängste seine gesamte Denkweise und Grundhaltung beeinflussten. Sie übernahmen quasi das Kommando, und Peter konnte nicht mehr seine ursprüngliche positive Energie fließen lassen. Doch da er nun offen mit ihnen umging, erschienen die Ängste auf einmal gar nicht mehr so groß. Er hatte so langsam wieder das Gefühl das Steuer in der Hand zu halten, und er konnte wieder besser loslassen und positive Energie spüren. Je mehr positive Energie er aufbaute, desto lockerer, entspannter und selbstbewusster konnte er wieder seiner täglichen Arbeit nachkommen und auf Kundenakquise gehen. Und plötzlich, er konnte es sich selbst nicht wirklich erklären, kamen die ersten konkreten Kundenanfragen und schließlich auch Aufträge ins Haus geflattert.
Peter hatte aus dieser Zeit ein paar ganz wichtige Dinge lernen können:
1. Ängste sind dazu da, um sie sich bewusst zu machen und aufzulösen. Ein Verdrängen oder Verzweifeln führt nicht zu dem gewünschten Ziel, nämlich der Auflösung der Ängste. Sie werden dadurch eher größer, intensiver und schmerzhafter.
2. Mit einer negativen Grundhaltung kommt man ganz schnell mal in eine negative Spirale, die immer mehr schlechte Erfahrungen etc. anzieht. Daher sollte man versuchen, wenn man mal wieder in ein “Loch” fällt, mit positiven Gedanken und Gefühlen gegenzusteuern.
3. Loslassen ist die Voraussetzung für ein entspanntes und glückliches Leben: Wer an etwas verkrampft festhält, so wie Peter dies tat, da er umbedingt neue Kunden gewinnen und dies praktisch mit der Brechstange erzwingen wollte, wird vermutlich meistens eher frustriert auf der Strecke bleiben und das eigenliche Ziel nicht erreichen. Auch wenn es mal schwierige Phasen im Leben gibt, sollte man versuchen Ruhe zu bewahren und sich klar machen, dass auch diese heikle Situation etwas Gutes für sich hat, denn man muss innere Stärke entwickeln und mutig vorangehen. Auf diese Weise entwickelt sich der Mensch wieder ein Stück weiter und wird bei der nächsten ähnlichen Situation weitaus entspannter damit umgehen können, da er sich und sein Inneres in der Zwischenzeit stärken und weiterentwickeln konnte.
Wahrscheinlich waren oder sind die meisten der Freiberufler, Selbstständigen und Unternehmer mal an einem Punkt angekommen, an dem es gefühlsmäßig nicht mehr weiterging. Aber das gehört wohl einfach zur Selbstständigkeit dazu. Man muss es akzeptieren oder sich doch lieber in ein vermeintlich sicheres Angestelltenverhältnis begeben.
Frage in die Runde: Wie ist es den Selbstständigen unter Euch ergangen oder wie ergeht es Euch aktuell? Könnt Ihr Euch in die Lage von Peter versetzen? Was waren oder sind die Ängste, denen Ihr im Zusammenhang mit der Existenzgründung und Selbstständigkeit begegnet seid?
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