freiberufler
Positive Thinking: Ängste auflösen und loslassen
Lieber Leser,
wer kennt das nicht: Flugangst, Klaustrophobie, Höhenangst. Angst vor Schlangen, Spinnen, dunklen Räumen. Angst vor dem Auftritt vor hunderten von Menschen, Angst vor Misserfolg, Verlustangst.
Vermutlich haben die Meisten unter uns zumindest eine dieser Ängste selbst schon mal im Verlaufe des bisherigen Lebens kennengelernt. Der ein oder andere kann die Angst “erfolgreich” verdrängen und irgendwo im Hinterstübchen des Bewusstseins einschließen. Andere wiederum sind weniger “erfolgreich” und leben womöglich ständig mit dieser Angst. Vermutlich mehr schlecht als recht. Und nochmals Andere machen etwas ganz Anderes: Weder verdrängen sie die Angst, noch verzweifeln sie daran – nein – sie akzeptieren ihre Angst, machen sie sich bewusst und versuchen sie zu verarbeiten. Im ersten Schritt erscheint das wahrscheinlich Vielen als unglaublich anstrengend und unter Umständen schmerzhaft. Da kommt dann schnell mal die berüchtigte Angst vor der Angst auf den Plan. Eine wirklich nicht ganz einfache Situation. Denn wer beschäftigt sich denn schon gerne freiwillig mit den eigenen Ängsten und Angstzuständen? Wohl die Wenigsten unter uns. Und doch ist es wohl so, dass nur die dritte Variante einen Heilungsprozess herbeirufen und zu einer tatsächlichen Auflösung des Problems bzw. zu einer Heilung führen kann.
Betrachten wir das Ganze einfach mal an einem konkreten Beispiel der frei erfundenen Person Peter:
Peter ist seit wenigen Wochen und Monaten Existenzgründer. Er hatte sich wenige Monate zuvor dazu entschlossen seinen alten Job als Marketingberater bei einer größeren Agentur in Frankfurt hinzuschmeißen und stattdessen den steinigen und langwierigen Weg der Existenzgründung zu gehen. Voller Tatendrang machte er sich Tag und Nacht Gedanken zu seiner Geschäftsidee des selbstständigen Marketingberaters, besprach sie mit Familie, Freunden und sonstigen “Beratern”, die ihn unterstützen. Den nötigen Businessplan hatte er innerhalb weniger Wochen geschrieben und das Businesskonzept kam sehr positiv bei potentiellen Geldgebern und Investoren an, sodass er sich an der nötigen Finanzspritze erfreuen konnte. Die nächsten Schritte lauteteten: Aufbau von Corporate Identity und Design mit allem was dazu gehört – von Logo über Geschäftsausstattung und Webauftritt. Schnell war auch das erledigt. So konnte es weitergehen!
Nun hieß es: Kunden gewinnen. Und das am besten schnell, einfach und in großer Zahl. Doch das sollte sich in den ersten Wochen und Monaten alles andere als einfach gestalten. Nach und nach stieg in Peter ein Gefühl des Unbehagens auf. Hatte er etwas falsch gemacht? War seine Geschäftsidee doch nicht so gut wie er meinte? Machte er das Falsche oder schlichtweg zu wenig Marketing? In der Folge befielen Peter immer wieder Zweifel und Ängste. Sein Glaube an die eigenen Fähigkeiten und die positive Grundhaltung, der ihn in den ersten Monaten getragen und ausgezeichnet hatte, war auf einmal auf die Größe einer Kaugummipackung geschrumpft. Und wenn dann auch noch ständig Fragen aus dem Familien- und Bekanntenkreis kamen, wie die Existenzgründung denn anlaufen würde, trug das auch nicht gerade zu einem besseren Gefühl bei, denn man wurde ständig daran erinnert, dass bisher nicht die Umsätze da waren, die man sich selbst gewünscht und vielleicht kalkuliert hatte.
So hatte Peter also mehr und mehr mit Existenzangst zu kämpfen. Und nicht nur das: Auch seiner Partnerin gegenüber fühlte er sich in gewisser Weise schlecht, hatte er doch in der derzeitigen Situation nicht das Gefühl, dass er sie hinreichend beschenken und verwöhnen konnte. Da waren die Zeiten als Angestellter im Vergleich dazu doch gar nicht so schlecht, oder?! Aber nein, er hatte sich nun für diesen Weg entschieden. Er konnte jetzt nicht gleich wieder den Löffel hinschmeißen. Wie konnte er aber in der aktuellen Situation mit seinen Ängsten, Zweifel und Unsicherheiten locker, enspannt und selbstbewusst durchs Leben gehen und gleichzeitig noch neue Kunden und Projekte für sich gewinnen?
Kurz gesagt: Vermutlich kaum oder gar nicht. Peter musste also etwas in seinem Inneren ändern. Er musste lernen seine Ängste zu akzeptieren und gleichzeitig loszulassen. Wie konnte er das schaffen?
Als Erstes versuchte er seine Ängste, Zweifel und negativen Gefühle in Worte zu fassen und schrieb sie nieder. Jetzt konnte er schwarz auf weiß sehen und begreifen, was ihn immer wieder beschäftigte und blockierte. Das ermöglichte ihm, das Ganze nun offen und laut auszusprechen und mit Bezugspersonen (die das Ganze auch tangierte, z.B. der Partnerin) darüber zu sprechen. Das hatte eine lösende Wirkung auf Peter und sein Innenleben. Er musste nun keine Angst mehr vor etwas haben, das an die Oberfläche gekommen war und bereits damit begann sich aufzulösen. Gleichzeitig arbeitete er wieder an einer positiven Grundhaltung indem er seine Ängste mehr und mehr akzeptierte und dankbar dafür war, dass sie da waren. Denn im Endeffekt waren die Ängste nichts Schlechtes. Sie warnten ihn vor etwas, das er nicht wollte. Allerdings war er selbst dafür verantwortlich, dass die Ängste seine gesamte Denkweise und Grundhaltung beeinflussten. Sie übernahmen quasi das Kommando, und Peter konnte nicht mehr seine ursprüngliche positive Energie fließen lassen. Doch da er nun offen mit ihnen umging, erschienen die Ängste auf einmal gar nicht mehr so groß. Er hatte so langsam wieder das Gefühl das Steuer in der Hand zu halten, und er konnte wieder besser loslassen und positive Energie spüren. Je mehr positive Energie er aufbaute, desto lockerer, entspannter und selbstbewusster konnte er wieder seiner täglichen Arbeit nachkommen und auf Kundenakquise gehen. Und plötzlich, er konnte es sich selbst nicht wirklich erklären, kamen die ersten konkreten Kundenanfragen und schließlich auch Aufträge ins Haus geflattert.
Peter hatte aus dieser Zeit ein paar ganz wichtige Dinge lernen können:
1. Ängste sind dazu da, um sie sich bewusst zu machen und aufzulösen. Ein Verdrängen oder Verzweifeln führt nicht zu dem gewünschten Ziel, nämlich der Auflösung der Ängste. Sie werden dadurch eher größer, intensiver und schmerzhafter.
2. Mit einer negativen Grundhaltung kommt man ganz schnell mal in eine negative Spirale, die immer mehr schlechte Erfahrungen etc. anzieht. Daher sollte man versuchen, wenn man mal wieder in ein “Loch” fällt, mit positiven Gedanken und Gefühlen gegenzusteuern.
3. Loslassen ist die Voraussetzung für ein entspanntes und glückliches Leben: Wer an etwas verkrampft festhält, so wie Peter dies tat, da er umbedingt neue Kunden gewinnen und dies praktisch mit der Brechstange erzwingen wollte, wird vermutlich meistens eher frustriert auf der Strecke bleiben und das eigenliche Ziel nicht erreichen. Auch wenn es mal schwierige Phasen im Leben gibt, sollte man versuchen Ruhe zu bewahren und sich klar machen, dass auch diese heikle Situation etwas Gutes für sich hat, denn man muss innere Stärke entwickeln und mutig vorangehen. Auf diese Weise entwickelt sich der Mensch wieder ein Stück weiter und wird bei der nächsten ähnlichen Situation weitaus entspannter damit umgehen können, da er sich und sein Inneres in der Zwischenzeit stärken und weiterentwickeln konnte.
Wahrscheinlich waren oder sind die meisten der Freiberufler, Selbstständigen und Unternehmer mal an einem Punkt angekommen, an dem es gefühlsmäßig nicht mehr weiterging. Aber das gehört wohl einfach zur Selbstständigkeit dazu. Man muss es akzeptieren oder sich doch lieber in ein vermeintlich sicheres Angestelltenverhältnis begeben.
Frage in die Runde: Wie ist es den Selbstständigen unter Euch ergangen oder wie ergeht es Euch aktuell? Könnt Ihr Euch in die Lage von Peter versetzen? Was waren oder sind die Ängste, denen Ihr im Zusammenhang mit der Existenzgründung und Selbstständigkeit begegnet seid?
Die täglichen Herausforderungen für Selbstständige und Freiberufler – Teil I
Gerade erst letzte Woche hat sich ein ehemaliger Geschäftskollege von mir in London als Music Manager selbständig gemacht. Er kümmert sich ab sofort um die Vermarktung ausgewählter Music-Bands. Zuvor war er bei einer Agentur fest angestellt und hat über viele Jahre jeden Monat pünktlich seinen Gehaltsscheck bekommen. Eine feine Sache. Und dann kommt die Selbstständigkeit und damit einher gehen die Schlagworte Risiko, Unsicherheit und bedingungslose Eigeninitiative. Klingt erst mal nicht sehr schön, und es könnte einem geradezu Angst und Bange werden. Aber Moment – die Selbstständigkeit hat auch ihre positiven Seiten, denn sonst gäbe es wohl nicht so viele, die den Schritt in die absolute Eigenverantwortung wagen würden. Wie wäre es mit den etwas mehr Kreativität, Freiheit und Gestaltungsmöglichkeit – nur um ein paar wenige Worte an dieser Stelle erwähnen zu wollen. Das klingt doch schon viel besser!
Und trotzdem: Macht man sich mal etwas tiefgreifendere Gedanken zu dem Thema Selbstständigkeit und spricht mit bereits Selbstständigen und Freiberuflern darüber, muss man wohl ganz schnell einsehen, dass das Ganze kein Pappenstiel und nicht für Jedermann das Richtige ist. Ich erinnere nur an das Bild von oben: Angestelltenverhältnis – Monatsende – Gehaltsscheck – Punkt! Nicht umsonst hat mal vor geraumer Zeit ein Gründungscoach zu mir gemeint, dass “zu der Entscheidung pro Selbstständigkeit eine ordentliche Portion Verrücktheit dazugehört”. Ich weiß, dass er dies damals mit einer ordentlichen Portion Humor hinterlegt hat, ansonsten hätte er wohl nicht so zahlreiche Existenzgründer unter seinen (erfolgreichen) Fittichen. Nichts desto trotz wollte er mit seiner Aussage genauso klar machen, dass der Weg durchaus steinig, zäh und langwierig sein kann. Ist man sich dieser Dinge allerdings von Vornherein bewusst und geht nicht mit einer rosaroten Brille oder ohne einen blassen Schimmer in die Selbstständigkeit, dann – ja dann – kann man guten Mutes an die Sache rangehen. Nun aber genug erzählt. Die Frage, die ja bereits in der Überschrift dieses Artikels auftaucht, lautet schließlich: Was sind die täglichen Herausforderungen für einen Selbstständigen oder Freiberufler?
Zu Beginn der Selbstständigkeit ist es wohl so ein bisschen das Gefühl der Orientierungslosigkeit. Ich glaube, das trifft es ganz gut. Das fängt mit dem Aufwachen am ersten Tag des “Nicht mehr Arbeitnehmer sein” an. Der Wecker klingelt, und man macht sich in seiner täglichen Schlagtrunkenheit (dies gilt natürlich nicht für die Frühaufsteher unter Euch, die bereits mit einem Moonwalk trällernd ins Badezimmer schweben) auf den mühsamen Weg ins Badezimmer und plötzlich wird einem bewusst: “Moment mal, ich muss ja gar nicht mehr ins Büro. Ich bin ja jetzt selbstständig!” Wenn der erste “Schock” mit dem Frühstückstoast hinuntergedrückt ist kann es endlich losgehen – mit der Selbstständigkeit. Schließlich wartet einiges an Arbeit auf einen.
Aber was ist denn nun wirklich zu tun im Laufe einer Selbstständigkeit?
Nun, zu Beginn wird ein Selbstständiger höchstwahrscheinlich erst einmal etwas im Nebel stochern – wer ist anzusprechen? Wie und was kann man erreichen? Wie baue ich mein Netzwerk auf? Und, und, und. Man versucht Termine mit Kunden, Kunden und nochmals Kunden zu vereinbaren. Über die ersten erfolgreichen Kundenbeziehungen entstehen neue Kundenbeziehungen und so weiter und so weiter. Die Maschinerie der Mundpropaganda – dem wertvollsten und effektivsten Marketingwerkzeug – springt langsam an und spült immer mehr neue Kunden und Partner an – etwa so wie eine Flaschenpost, die nach einer längeren Reise am Timmendorfer Strand “auf Grund läuft”.
Nach einiger Zeit werden sich die Herausforderungen allerdings komplett verändern. Dann wird es nicht mehr primär darum gehen Kundenakquise und Networking zu betreiben (wobei das vermutlich nie aufhören wird). Nun kommen ganz andere Herausforderungen auf einen zu: Wie kann ich mehrere Projekte simultan bearbeiten ohne in ein Chaos zu verfallen? Wie gehe ich mit eventuellem Stress um ohne dabei den Spaß an der Arbeit und den Kundenbeziehungen zu verlieren? Wie schaffe ich es trotz aller Anstrengung und möglichen Zeitengpässen die ein oder andere ruhige Minute einzubauen um wieder etwas herunterzufahren?
Es ist ein offenes Geheimnis, dass vermutlich nicht wenige Freiberufler und Selbstständige Schwierigkeiten haben einen geregelten Tagesablauf zu kreieren – so ganz ohne Chef oder Stempeluhr “im Nacken”. Denn es gibt tagtäglich zahllose Ablenkungsmöglichkeiten, speziell dann, wenn man seine Büroräumlichkeiten in die eigenen vier Wänden integriert hat. Da fällt es nicht immer leicht konzentriert zu bleiben.
Man muss auch offen sagen, dass man als Freiberufler und Selbstständiger des Öfteren den inneren Schweinhund überwinden muss um neue Projekte an Land zu ziehen. Wenn man tagein tagaus Kundenprojekte bearbeitet hat man oft nicht mehr den “Drive”, um darüber hinaus auch noch andere Dinge machen zu wollen. Sei es die Umsatzsteuer-Voranmeldung, die Steuererklärung, Rechnungen zu schreiben, Auftragsangebote zu verfassen und mit Interessenten durchzusprechen oder sonstige Bürotätigkeiten. Hier gilt es trotzdem diese (wichtigen ) Dinge nicht zu vernachlässigen, auch wenn sie von Zeit zu Zeit ziemlich nervtötend sein können. Denn sie gehören nunmal zur selbstständigen Tätigkeit dazu so wie für viele der Kaffee zu einem guten Frühstück dazugehört.
Eine andere Hürde, speziell für Jene, die ihre Geschäftstätigkeiten von ihrem “Home Office” ausüben ist die Isolation bzw. das alleine Arbeiten. Hier gilt es aufmerksam durch den Alltag zu wandern. Früher oder später kann durchaus ein Gefühl der Einsamkeit eintreten, insbesondere dann, wenn man es in der Vergangenheit gewohnt war in einem Büro ständig Kollegen um einen herum gehabt zu haben. Dann heißt es gegensteuern. Ich selbst achte deshalb darauf, dass ich Kundentermine so oft wie möglich außerhalb meiner vier Wände organisiere, mich mindestens 1-2 pro Woche mit Bekannten oder Freunden zum Mittagessen verabrede und auch sonst schaue, dass ich immer wieder unter Leute komme, sei es beim Sport oder einer anderen Freizeitbeschäftigung. Ich kenne auch Freuberufler und Selbstständige, die der Isolation dadurch entfliehen, indem sie hin und wieder in einem Café arbeiten, um so wieder neue Eindrücke und Komunikation mit der Außenwelt bekommen zu können.
Obendrein kann es durchaus gewöhnungsbedürftig sein plötzlich so ganz ohne Feedback oder Statusmeldungen arbeiten zu müssen. Bei Zweifeln gilt es sich von ausgewählten Menschen im näheren Umfeld Rat oder eine Meinung einzuholen. Nichts desto trotz muss man sich darüber im Klaren sein, dass man am Ende die Entscheidung nun selbst fällen muss, und dass es keinen Chef mehr gibt, der einem die Richtung vorgibt. Schließlich ist man nun sein eigener Herr. Und das ist auch gut so, denn das macht die Selbstständigkeit so spannend und ist das Salz in der Suppe.
Das war der erste Teil der täglichen Herausforderungen für Selbstständige und Freiberufler. Im nächsten Teil der täglichen Herausforderungen werde ich unter anderem auf die Themen Frustbewältigung, Freizeit, Lockerheit, Organisation und vieles mehr eingehen.
Frage an alle Selbstständigen und Freiberufler: Welche anderen Herausforderungen habt Ihr in Eurer täglichen Arbeit ausgemacht? Wie habt Ihr diese Hürden überwunden?
Erfolgskriterium für Selbstständige: der lebendige Businessplan
Businessplan? Ok, das sollte man als Existenzgründer, Freiberufler und Selbstständiger selbstverständlich kennen. Was versteht man allerdings unter einem “lebendigen” Businessplan?
Ein Businessplan ist, wie bereits in einem früheren Artikel zum Thema Businessplan betont, kein Schriftstück, welches nach der erstmaligen Fertigstellung und dem unter Umständen erfolgreichen Kreditantrag bei Bank, Bürgen oder Investoren am Ende ist und in der Schublade verschwindet. Ganz im Gegenteil: für den Erfolg eines Existenzgründers und Selbstständigen ist eine der wichtigsten Voraussetzungen der lebendige Businessplan. Das heißt: Man sollte in regelmäßigen Abständen immer wieder den Businessplan zur Hand nehmen und speziell den Finanzteil auf Aktualität überprüfen. Wie sieht es mit den zu Beginn geplanten Auftragseingängen und Umsätzen pro Monat aus? Sind wir hier im Soll? Sind in der Zwischenzeit eventuell neue Posten aufgetaucht, die Mehrkosten verursachen? Habe ich in der ursprünglichen Planung unter Umständen den ein oder anderen Punkt übersehen? Mit solchen Fragen kann man ganz schnell feststellen, ob man noch in der Spur ist oder nicht. Eines sollte bei einem Existenzgründer, Freiberufler oder Selbstständigen grundsätzlich nicht passieren: es sollte keine Angst bzw. das Gefühl der Machtlosigkeit aufkommen. Angst lähmt bekanntlich und das Gefühl der Machtlosigkeit ist ein klares Indiz dafür, dass man spürt den Überblick über die Situation zu verlieren. Daher ist es von immenser Bedeutung den Businessplan immer wieder zu aktualisieren und damit lebendig zu halten. Davon ausgehend möchte ich an dieser Stelle nochmals betonen, dass ein Businessplan nicht nur für diejenigen von Belang ist, die einen Kredit oder Ähnliches beantragen möchten. Auch wenn man ausschließlich mit Eigenkapital den Weg in die Selbstständigkeit wagt, ist der lebendige Businessplan Voraussetzung für den Erfolg. Doch auch die beste und ausgeklügelste Planung muss nicht immer funktionieren bzw. so eintreffen, wie gedacht. Daher empfiehlt es sich für solche Fälle einen Geldpuffer einzuplanen, damit etwaige Umsatzlöcher gestopft werden können. Auf der anderen Seite wird man vermutlich aber auch Monate erleben, in denen es besser läuft als ursprünglich gedacht. Gut für Sie! Nutzen Sie die Mehreinnahmen, um wieder ein kleines finanzielles Polster anzulegen – für schlechtere Zeiten oder unvorhergesehene Ausgaben. Gut möglich, dass Sie auf einmal merken, dass Sie noch die ein oder andere Investition tätigen müssen. Hierfür sind diese Reserven perfekt.
Daher gilt: Behalten Sie speziell den Finanzteil Ihres Businessplans ständig im Auge und aktualisieren Sie ihn fortlaufend. Das gibt Ihnen ein Gefühl der Sicherheit, und Sie werden nicht kopflos durch die Gegend rennen. Achten Sie darauf, dass Sie das große Ganze, also die kalkulierten Kosten und Umsätze pro Monat, stets überblicken. Sollten Sie merken, dass Ihre Umsätze nicht reichen bzw. nicht an Ihre ursprünglichen Vorgaben heranreichen müssen Sie unter Umständen Ihre Akquisemaßnahmen oder/und Ihr Marketing intensivieren. Haben Sie aber überhaupt noch Zeit für Akquise, oder sind Sie bereits mit Ihren Kundenprojekten am Limit angekommen? Um das herauszufinden empfiehlt es sich ein schriftliches Budget aufzustellen, damit Sie ein Gefühl dafür bekommen, wie viel Zeit Sie für einen durchschnittlichen Auftrag brauchen und dem jeweiligen Kunden in Rechnung stellen können. So werden Sie ganz schnell herausfinden, wie viel Zeit Sie pro Woche an Kundenprojekten oder Ähnlichem arbeiten müssen, um Ihre Kosten decken zu können. Den Rest der zur Verfügung stehenden Zeit bleibt Ihnen dann für die oben angesprochene Akquise. Und wenn dann noch Zeit für Netzwerken, Kommunikation und Fortbildung übrig bleibt um so besser. Wenn Sie stets den Überblick über Ihre finanzielle Situation behalten und Ihren Businessplan diszipliniert und kontinuierlich auf dem aktuellen Stand halten, sind Sie einer erfolgreichen Existengründung bzw. Selbstständigkeit wieder ein ordentliches Stück näher gekommen.
Freiberufler aufgepasst! Stolperstein “Scheinselbständigkeit”
Aber nicht nur Freiberufler, sondern auch die Unternehmen, die Aufträge an Berater oder Projektmanager vergeben, sollten vor Vertragsunterzeichnung sicherstellen, dass keine Scheinselbständigkeit ausgelegt werden kann. Die Frage nun: was muss ein Vertrag zwischen Unternehmen und Freiberufler enthalten, um diesen Stolperstein umgehen zu können? Nachfolgend eine Zusammenfassung eines SZ-Interviews mit Michael Krekels, Rechtsanwalt beim Verband Die Führungskräfte in Köln vom 13./14. März 2010:
Der Vertrag zwischen Unternehmen und Freiberufler muss im Detail enthalten, wie die Dienste festgelegt sind. Es darf kein Arbeitsverhältnis bestehen, und das Unternehmen darf keine Steuern für den Freiberufler übernehmen. Ebenso spricht bezahlter Urlaub für ein Angestelltenverhältnis und nicht für ein freiberufliches Engagement.
Es darf keine Weisungsbefugnis vorliegen. Der freiberufliche Mitarbeiter ist zeitlich, örtlich und fachlich weisungsfrei. Bei Freiberuflern sollten die Alarmglocken klingeln, wenn als Voraussetzung für eine Zusammenarbeit eine ausschließliche Tätigkeit bei dem jeweiligen Unternehmen vor Ort genannt wird. Den Großteil der Woche sollte er von seinem eigenen Büro aus die Leistung erbringen können.
Der Freiberufler trägt außerdem in gewisser Weise ein unternehmerisches Risiko und muss unter Umständen eigenes Kapital einsetzen, um die Dienstleistung zu erbringen. Darüber hinaus sollte der freiberufliche Mitarbeiter darauf achten, dass im Vertrag explizit erwähnt wird, dass er über das Engagement hinaus auch für andere Auftraggeber tätig sein darf.
Die Folgen einer Scheinselbständigkeit können sowohl für den Freiberufler als auch für das Unternehmen in Form von nachträglichen steuerlichen Forderungen, Sozialversicherungsbeiträgen und rückwirkende Urlaubsansprüche teuer werden.
Deshalb gilt: erst von einem Rechtsberater und/ oder Steuerberater beraten lassen, bevor man einen Vertrag zu einer feriberuflichen Tätigkeit unterzeichnet.
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