Liebe Leser,
heute gibt es ein spannendes Interview mit Sarah Heike, frisch gebackene Gründerin und Inhaberin von “Frogroggas” – dem Modelabel für Kinder – mit Sitz in Nürnberg. Oder wie hat Sarah das so schön in einen passenden Claim gepackt: “Fashion für freche Früchtchen”. Das macht doch Appetit auf mehr, meine ich. Also los geht’s – Sarah, hiermit übergebe ich das Wort an Dich. 
Sarah, stell’ Dich doch bitte kurz den Lesern des Kwerdenker-Blogs vor. Sie sind neugierig auf Dich und das, was du machst.
Die schwierigste Frage gleich zuerst! Ich gestehe an dieser Stelle gleich, dass ich Frage Nummer 1 dezent weggelassen habe und jetzt nach den Antworten der Fragen 2-11 wieder hier oben angekommen bin und grübel ‚Wer bin ich?‘
Die Antwort im Existenzgründerseminar lautete darauf:
“Mein Name ist Sarah Heike – ja, Heike ist mein Nachnahme – 26 Jahre jung – Diplom-Stylistin/-Modestylistin, eher bekannt unter der Bezeichnung Modedesignerin/-schöpferin – und ich möchte mich mit meinem Label für Kinderbekleidung selbstständig machen!” Das sind so die Fakten. Wer mehr über mich wissen will muss meine Familie, Freunde und Bekannten fragen oder mich persönlich kennenlernen.
Wie bist Du zum Modedesign gekommen? Glücklicher Zufall oder ein Kindheitstraum?
Ich wusste zwar schon relativ früh, dass ich später mal irgendwo in der Modewelt arbeiten wollte, aber wo und als was, das hat sich erst während meiner Ausbildung auf der ESMOD München herauskristallisiert.
Jedoch wusste ich schon mit 14, dass es unbedingt diese Schule sein musste. Eine Alternative gab es nicht. Zum Glück haben die mich auch gewollt! Wer weiß, wo ich sonst gelandet wäre. Vielleicht bei einem meiner Kindheitsträume?! Da wären z.B. Kloputzfrau oder Reiseleiterin.
Du hast Dein Modelabel ”Frogroggas” getauft. Ein durchaus exotischer und spannender Name. Wie kam es dazu, und was steht hinter dem Namen?
Der Name ist ein Relikt aus Zeiten der Ausbildung. Im Abschlussjahr gründet im Prinzip jeder sein eigenes Label, d.h. du entwirfst nicht nur eine Kollektion, sondern entwickelst auch eine komplette CI zu deinem Konzept.
Den Namen hat mir eine gute Freundin gegeben. Er setzt sich aus zwei Teilen zusammen: Zum einem dem englischen Wort für Frosch ‚frog‘ und zum Anderen der fränkischen Ableitung des Wortes ‚Rocker‘ also ‚Rogga‘. Das Ganze bezieht sich eigentlich auf die Art, wie ich meine Figurinen (= stilisierte Modezeichnungen) zeichne. Sie sind sehr comiclastig, haben einen großen Kopf mit großen (Glupsch-)Augen und Knubbelfinger. Das hat sie irgendwie an Frösche erinnert. Mittlerweile gehört der Namen so zu meinem Produkt, dass ich ihn nicht ändern würde, obwohl er sicherlich für Neukunden schwer zu merken ist. Allerdings ist er auch oft ein Grund, dass Leute mich ansprechen und wissen wollen, was hinter dem Namen ‚Frogroggas‘ steckt. Na, und dann…bleibt er doch im Ohr.
Wie bist Du auf die Idee gekommen Mode und mehr gerade für Kinder zu entwerfen, und wo liegt der Schwerpunkt Deiner Arbeit?
Das Ganze war keine spontane Idee, sondern ein Prozess während meiner Ausbildung. Zunächst liegt der Schwerpunkt des Studiums im Bereich DOB (= Damenoberbekleidung), allerdings werden bereits im ersten Jahr auch Arbeiten zu HAKA (= Herren und Knaben) und KIKO (=Kinderkollektion) verlangt.
Dass HAKA nichts für mich ist wusste ich schnell, die KIKO fand ich zunächst ganz lustig, da man im Entwurf so viel neue Möglichkeiten hat. Ich finde es spannend Kleidung zu entwerfen, die einen aktuellen modischen Bezug hat, ihren funktionalen Bezug jedoch nie verlieren darf. Schließlich sollen die Produkte später von Kindern getragen werden und nicht von Puppen.
Einen Schwerpunkt habe ich nicht wirklich, vielleicht kann man es eher als Säulen bezeichnen, die das Label ‚Frogroggas‘ tragen. Diese Säulen sind im Prinzip nichts anderes als Produktgruppen. Vom kleinsten zum größten wären das: Accessoires (z.B. Buttons, Anstecker), Zubehör (z.B. Lätzchen, Mützen, Tücher), Bekleidung (eher Einzelteile, Miniserien) und das Premiumprodukt Maßanfertigung (z.B. Taufkleidchen, Blumenstreuoutfits etc.).
Kommen wir zu dem Thema Existenzgründung: Was gab bei Dir persönlich den Ausschlag dafür, und wo siehst Du für einen Existenzgründer die größten Hürden zu Beginn einer Unternehmung?
Der Gedanke, mal mein eigenes Label zu besitzen, spukt schon in meinem Kopf herum seitdem ich ein Praktikum in einem Atelier für Kinderbekleidung absolviert hatte. In der Industrie konnte ich nie meine Ideen ausleben. Immer gab es Jemanden, dessen Meinung und Ideen es zu realisieren galt. Die Möglichkeit, dass ich irgendwann mal die Person sein könnte, die das letzte Wort hat, war zu gering, als dass ich jahrelang diesen Assistentenberuf machen wollte. Dass mir meine berufliche Situation aber eigentlich gar nicht so passt wurde mir erst klar als ich unerwartet gekündigt wurde und ich gezwungen war zu überlegen, was ich in nächster Zeit arbeiten wollen würde.
Hürden hat man als Existenzgründer bzw. Selbständiger sicherlich täglich zu nehmen. Das sind Hürden im Beruf und im Privaten, kleine und größere. Aber die gehören nun mal dazu, schließlich verändert man etwas in seinem Leben. Wäre doch schlimm, wenn alles glatt laufen würde. Ich bin auf die Mega-Hürde zum Glück noch nicht gestoßen, merke aber, dass irgendwie immer alles mit dem Thema Geld und Zahlen zu tun hat, und das ist für mich als Kreative immer sehr abstrakt. Daran muss ich mich erst noch gewöhnen.
Was muss ein Existenzgründer mitbringen, um langfristig erfolgreich sein zu können? Nenne bitte drei Eigenschaften, die Deiner Meinung nach unabdingbar sind.
Da könnt ich jetzt den Fragebogen ‚Sind sie ein Machertyp?!‘ hernehmen und die tollsten Eigenschaften abschreiben. Für mich ist es wichtig mich selbst motivieren zu können bzw. zu wissen wo und bei wem ich neue Motivation bekommen kann. Ich bin optimistisch und kreativ. Der Rest ergibt sich (hoffentlich) – learning by doing!
Auf Deiner Website von Frogroggas ist nachzulesen, dass Du bereits einige Preise auf dem Feld des Modedesigns eingeheimst hast. Inwiefern haben Dir diese bei Deiner Existenzgründung helfen können?
Meine Preise stehen im Lebenslauf und schaffen hoffentlich einen guten Eindruck. Allerdings haben sie nichts mit ‚Frogroggas‘ zu tun. Aus diesem Grund haben sie eigentlich nichts mit der Gründung zu tun. Für mich persönlich sind sie jedoch wichtig, da sie eine Bestätigung für meine Ideen und Arbeit sind!
Wie gewinnst Du neue Kunden? Betreibst Du aktiv Marketing? Wenn ja, wie?
Momentan beschränkt sich mein Marketing auf reine Mundpropaganda. Allerdings muss sich da jetzt was ändern. Deshalb gestalte ich gerade eine(n) Flyer/Broschüre und Annoncen für Familienmagazine. Der Bereich Marketing ist eine der Baustellen, an denen ich gerade arbeite.
Wie wichtig ist Deine Website, um neue Kunden zu gewinnen und zu binden?
So genau kann ich das gar nicht sagen. Meine Homepage www.frogroggas.de ist erst seit ein paar Wochen online. Kunden gewinne ich momentan eher über den Online-Shop bei dawanda oder vis-à-vis, z.B. auf Märkten. Ich habe in der letzten Zeit feststellen müssen, dass gerade ältere Leute nicht viel mit Webseiten und E-Mails am Hut haben. Doch gerade Omas, Opas, Tanten und Onkels haben an Frogroggas Gefallen gefunden – eben nicht nur Diejenigen, für die der PC samt World Wide Web etwas Alltägliches ist. Folglich ist mir meine Webseite samt Shop und dem Profil auf Facebook zwar wichtig um mich zu präsentieren. Kundenbindung jedoch kann man nur durch erbrachte Leistungen schaffen.
Seit wann gibt es Dein Modelabel nun bereits, und wo kann man Dich das Jahr über antreffen (Messen, Wettbewerbe, Events etc.)?
Als Nebengewerbe betreibe ich Frogroggas jetzt seit März 2009. Für dieses Jahr im Oktober ist dann der Vollerwerb geplant. Meine zwei noch kommenden Highlights in diesem Jahr ist die Modenschau inklusive Verkaufsstand beim Oldtimer-Weinfestival auf dem Weingut Deppisch in Erlenbach bei Marktheidenfeld am 11. und 12. September, sowie die Austellung ‚Kunst & Handwerk‘ vom 02. bis 12. Dezember im Fembohaus Nürnberg. Natürlich kann man alle Termine auch auf meiner Webseite nachlesen. Und wer es nicht abwarten kann darf gerne einen Termin vereinbaren und zu mir kommen.
Wie sehen Deine kurzfristigen und langfristigen Ziele mit Frogroggas aus? Wo siehst Du Dich und Frogroggas in 10 Jahren?
Kurzfristig gesehen wünsche ich mir natürlich einen super Start in die Selbstständigkeit. Dass meine Visionen des Businessplans Realität werden und nicht als Utopien enden. Langfristig gesehen soll Frogroggas kein Modeimperium werden, sondern da wünsch ich mir ein Atelier für Kinderbekleidung, in dem ich einst Praktikum gemacht habe. Vielleicht in der Kombination mit einer kleinen Kaffee-Ecke.
Sarah, vielen Dank für das nette und informative Gespräch.
























Sehr gutes Interview! Hilft mir echt weiter…da ich gerade auch überlege etwas eigenes aufzubauen.