Gerade erst letzte Woche hat sich ein ehemaliger Geschäftskollege von mir in London als Music Manager selbständig gemacht. Er kümmert sich ab sofort um die Vermarktung ausgewählter Music-Bands. Zuvor war er bei einer Agentur fest angestellt und hat über viele Jahre jeden Monat pünktlich seinen Gehaltsscheck bekommen. Eine feine Sache. Und dann kommt die Selbstständigkeit und damit einher gehen die Schlagworte Risiko, Unsicherheit und bedingungslose Eigeninitiative. Klingt erst mal nicht sehr schön, und es könnte einem geradezu Angst und Bange werden. Aber Moment – die Selbstständigkeit hat auch ihre positiven Seiten, denn sonst gäbe es wohl nicht so viele, die den Schritt in die absolute Eigenverantwortung wagen würden. Wie wäre es mit den etwas mehr Kreativität, Freiheit und Gestaltungsmöglichkeit – nur um ein paar wenige Worte an dieser Stelle erwähnen zu wollen. Das klingt doch schon viel besser!
Und trotzdem: Macht man sich mal etwas tiefgreifendere Gedanken zu dem Thema Selbstständigkeit und spricht mit bereits Selbstständigen und Freiberuflern darüber, muss man wohl ganz schnell einsehen, dass das Ganze kein Pappenstiel und nicht für Jedermann das Richtige ist. Ich erinnere nur an das Bild von oben: Angestelltenverhältnis – Monatsende – Gehaltsscheck – Punkt! Nicht umsonst hat mal vor geraumer Zeit ein Gründungscoach zu mir gemeint, dass “zu der Entscheidung pro Selbstständigkeit eine ordentliche Portion Verrücktheit dazugehört”. Ich weiß, dass er dies damals mit einer ordentlichen Portion Humor hinterlegt hat, ansonsten hätte er wohl nicht so zahlreiche Existenzgründer unter seinen (erfolgreichen) Fittichen. Nichts desto trotz wollte er mit seiner Aussage genauso klar machen, dass der Weg durchaus steinig, zäh und langwierig sein kann. Ist man sich dieser Dinge allerdings von Vornherein bewusst und geht nicht mit einer rosaroten Brille oder ohne einen blassen Schimmer in die Selbstständigkeit, dann – ja dann – kann man guten Mutes an die Sache rangehen. Nun aber genug erzählt. Die Frage, die ja bereits in der Überschrift dieses Artikels auftaucht, lautet schließlich: Was sind die täglichen Herausforderungen für einen Selbstständigen oder Freiberufler?
Zu Beginn der Selbstständigkeit ist es wohl so ein bisschen das Gefühl der Orientierungslosigkeit. Ich glaube, das trifft es ganz gut. Das fängt mit dem Aufwachen am ersten Tag des “Nicht mehr Arbeitnehmer sein” an. Der Wecker klingelt, und man macht sich in seiner täglichen Schlagtrunkenheit (dies gilt natürlich nicht für die Frühaufsteher unter Euch, die bereits mit einem Moonwalk trällernd ins Badezimmer schweben) auf den mühsamen Weg ins Badezimmer und plötzlich wird einem bewusst: “Moment mal, ich muss ja gar nicht mehr ins Büro. Ich bin ja jetzt selbstständig!” Wenn der erste “Schock” mit dem Frühstückstoast hinuntergedrückt ist kann es endlich losgehen – mit der Selbstständigkeit. Schließlich wartet einiges an Arbeit auf einen.
Aber was ist denn nun wirklich zu tun im Laufe einer Selbstständigkeit?
Nun, zu Beginn wird ein Selbstständiger höchstwahrscheinlich erst einmal etwas im Nebel stochern – wer ist anzusprechen? Wie und was kann man erreichen? Wie baue ich mein Netzwerk auf? Und, und, und. Man versucht Termine mit Kunden, Kunden und nochmals Kunden zu vereinbaren. Über die ersten erfolgreichen Kundenbeziehungen entstehen neue Kundenbeziehungen und so weiter und so weiter. Die Maschinerie der Mundpropaganda – dem wertvollsten und effektivsten Marketingwerkzeug – springt langsam an und spült immer mehr neue Kunden und Partner an – etwa so wie eine Flaschenpost, die nach einer längeren Reise am Timmendorfer Strand “auf Grund läuft”.
Nach einiger Zeit werden sich die Herausforderungen allerdings komplett verändern. Dann wird es nicht mehr primär darum gehen Kundenakquise und Networking zu betreiben (wobei das vermutlich nie aufhören wird). Nun kommen ganz andere Herausforderungen auf einen zu: Wie kann ich mehrere Projekte simultan bearbeiten ohne in ein Chaos zu verfallen? Wie gehe ich mit eventuellem Stress um ohne dabei den Spaß an der Arbeit und den Kundenbeziehungen zu verlieren? Wie schaffe ich es trotz aller Anstrengung und möglichen Zeitengpässen die ein oder andere ruhige Minute einzubauen um wieder etwas herunterzufahren?
Es ist ein offenes Geheimnis, dass vermutlich nicht wenige Freiberufler und Selbstständige Schwierigkeiten haben einen geregelten Tagesablauf zu kreieren – so ganz ohne Chef oder Stempeluhr “im Nacken”. Denn es gibt tagtäglich zahllose Ablenkungsmöglichkeiten, speziell dann, wenn man seine Büroräumlichkeiten in die eigenen vier Wänden integriert hat. Da fällt es nicht immer leicht konzentriert zu bleiben.
Man muss auch offen sagen, dass man als Freiberufler und Selbstständiger des Öfteren den inneren Schweinhund überwinden muss um neue Projekte an Land zu ziehen. Wenn man tagein tagaus Kundenprojekte bearbeitet hat man oft nicht mehr den “Drive”, um darüber hinaus auch noch andere Dinge machen zu wollen. Sei es die Umsatzsteuer-Voranmeldung, die Steuererklärung, Rechnungen zu schreiben, Auftragsangebote zu verfassen und mit Interessenten durchzusprechen oder sonstige Bürotätigkeiten. Hier gilt es trotzdem diese (wichtigen ) Dinge nicht zu vernachlässigen, auch wenn sie von Zeit zu Zeit ziemlich nervtötend sein können. Denn sie gehören nunmal zur selbstständigen Tätigkeit dazu so wie für viele der Kaffee zu einem guten Frühstück dazugehört.
Eine andere Hürde, speziell für Jene, die ihre Geschäftstätigkeiten von ihrem “Home Office” ausüben ist die Isolation bzw. das alleine Arbeiten. Hier gilt es aufmerksam durch den Alltag zu wandern. Früher oder später kann durchaus ein Gefühl der Einsamkeit eintreten, insbesondere dann, wenn man es in der Vergangenheit gewohnt war in einem Büro ständig Kollegen um einen herum gehabt zu haben. Dann heißt es gegensteuern. Ich selbst achte deshalb darauf, dass ich Kundentermine so oft wie möglich außerhalb meiner vier Wände organisiere, mich mindestens 1-2 pro Woche mit Bekannten oder Freunden zum Mittagessen verabrede und auch sonst schaue, dass ich immer wieder unter Leute komme, sei es beim Sport oder einer anderen Freizeitbeschäftigung. Ich kenne auch Freuberufler und Selbstständige, die der Isolation dadurch entfliehen, indem sie hin und wieder in einem Café arbeiten, um so wieder neue Eindrücke und Komunikation mit der Außenwelt bekommen zu können.
Obendrein kann es durchaus gewöhnungsbedürftig sein plötzlich so ganz ohne Feedback oder Statusmeldungen arbeiten zu müssen. Bei Zweifeln gilt es sich von ausgewählten Menschen im näheren Umfeld Rat oder eine Meinung einzuholen. Nichts desto trotz muss man sich darüber im Klaren sein, dass man am Ende die Entscheidung nun selbst fällen muss, und dass es keinen Chef mehr gibt, der einem die Richtung vorgibt. Schließlich ist man nun sein eigener Herr. Und das ist auch gut so, denn das macht die Selbstständigkeit so spannend und ist das Salz in der Suppe.
Das war der erste Teil der täglichen Herausforderungen für Selbstständige und Freiberufler. Im nächsten Teil der täglichen Herausforderungen werde ich unter anderem auf die Themen Frustbewältigung, Freizeit, Lockerheit, Organisation und vieles mehr eingehen.
Frage an alle Selbstständigen und Freiberufler: Welche anderen Herausforderungen habt Ihr in Eurer täglichen Arbeit ausgemacht? Wie habt Ihr diese Hürden überwunden?
























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