Der Vulkan Eyjafjallajökull (Eyjafjöll) auf Island spuckt weiter fleißig goldrote Feuerkugeln aus und sorgte damit in den letzten Tagen für die wohl bekannteste Aschewolke seit Menschengedenken. Ein Großteil West- und Zentraleuropas verschwand auf Satellitenbildern unter einem riesigen Teppich aus Asche. “Sack und Asche!” könnte einem hierzu als passendes Sprichwort einfallen. Die Asche ist in diesem Kontext einleuchtend, aber was könnte es mit dem Sack auf sich haben? Nun, vielleicht handelt es sich dabei ja um einen großen, fetten Geldsack, der den Airlines – speziell in Europa – täglich, stündlich – nein eigentlich sogar – minütlich wie seifige Reiskörner durch die Hände geglitten sind und im Schlund des Eyjafjöll schmolzen bis nichts mehr davon übrig war.
Auf der einen Seite verständlich, dass die deutschen Airlines mit Lufthansa an der Spitze für Aufruhr sorgten, gingen ihnen durch die Aschewolke doch erhebliche Einnahmen flöten. Auf der anderen Seite für einen Außenstehenden schwer nachzuvollziehen, wurde doch von der Deutschen Flugsicherung (DFS) immer wieder beteuert, dass die Asche für Flugzeuge durchaus gefährlich sein und ein Sicherheitsrisiko für Passagiere und Bordcrew darstellen könne.
Ja, was nun?
Das habe ich mich die letzten Tage auch gefragt, als ich mich für einen Kurzurlaub auf Mallorca aufhielt und die Aufregung und Berichterstattung um die Aschewolke von dort aus verfolgte. Als man sich dann bei der Airline wegen der Rückreise nach Deutschland erkundigte wurde eines ganz schnell klar, nämlich, dass hier gar nichts klar war. Denn bei einer Mischung aus offensichtlichem Chaos und Worst-Case-Theorien bei der Deutschen Flugsicherung, der Bundesregierung, den Medien sowie bei diversen Airlines kam am Ende ein Wulst aus mangelndem Konflikt- und Kommunikationsmanagement, Theorieversessenheit, “Geldbewusstheit” und Sensationsgier heraus, welcher einen ziemlich üblen Nachgeruch hinterlässt und alle Seiten sich in diesen Tagen eher weniger mit Ruhm bekleckert haben.
Gefühlsmäßig wurden von allen Seiten Halbwahrheiten oder einfach nur Vermutungen verbreitet, waren doch Informationen innerhalb weniger Stunden, wenn nicht sogar Minuten, plötzlich wieder hinfällig. Und als “gestrandeter” Urlauber fragte man sich mit der Zeit mehr und mehr: “Wer weiß hier eigentlich was?” oder “Welcher Aussage kann man eigentlich überhaupt noch Glauben schenken?”.
Als Außenstehender fragt man sich ernsthaft, warum dieses famose Testflugzeug erst am Montagnachmittag von München aus in den Himmel geschickt und dieser Vorgang nicht bereits früher in Gang gesetzt wurde. Oder wem ein offizielles Flugverbot dienen soll, wenn es dann trotzdem immer wieder Flüge mit Sondergenehmigung gibt. Gab es diese, weil diese Flüge offiziell als Sichtflug deklariert wurden oder aber vielleicht weil die Airlines zu großen Druck auf die Bundesregierung und die Deutsche Flugsicherung ausgeübt haben? Falls es tatsächlich nur um Sichtflüge ging, warum wurden dann nicht deutlich mehr Flüge auf diese Weise durchgeführt?
Am Ende kann der ahnungslose Bürger nur noch mit dem Kopf schütteln, weil sich alle Seiten in irgendeiner Art und Weise wieder mal blamiert haben. Wobei man zugegebenermaßen von der Bundesregierung ja nichts anderes gewohnt ist:
nur ja keine klare Linie verfolgen und immer schön durch Ausnahmeregelungen den Bürger zum Wahnsinn treiben.
Ich selbst hatte großes Glück mit meinem Rückflug von Mallorca. Nach einem heillosen Durcheinander ging es schlussendlich Montagabend mit etwas Verspätung in Richtung Heimat. Trotz Aschewolke, trotz Flugverbot und trotz zahlreicher (Fehl-)Informationen der Airline, dass der Flug annulliert sei.
Mindestens einen Gewinner dieser Aschewolke und seiner Folgen gibt es dann aber doch zu vermelden. Ein äußerst gewitzter und geschäftstüchtiger Mensch auf Mallorca hat es innerhalb weniger Stunden geschafft, das Chaos um den Vulkanausbruch perfekt zum Verkaufsschlager mutieren zu lassen. Bereits am Sonntagabend, den 18. April, waren T-Shirts mit dem Aufdruck “Ich bin ein Asche-Opfer auf Malle 2010″ um die Platja de Palma restlos ausverkauft. Die T-Shirts wurden den Verkäufern förmlich aus den Händen gerissen.

Als ich das T-Shirt sah musste ich lauthals lachen, denn ich war doch etwas neidisch. Zum einen auf den Besitzer des Shirts, da ich selbst keines mehr bekommen hatte. Zum anderen aber noch mehr auf den Menschen, der die geniale Idee hatte, die Aschewolke als Verkaufsschlager zu nutzen.
Was lernen wir daraus? Zwei Dinge:
1. Jede Krise ist auch zugleich eine Chance – man muss nur die Augen offen halten
2. Aktuelle Themen wie Schlagzeilen, Gerüchte über Stars, Katastrophen und sonstige Neuigkeiten sind die idealen Aufhänger, um das Interesse einer breiten Masse zu wecken (Schlagwort: Köder) und gleichzeitig für Marketing und Verkaufsförderung clever einzusetzen
Das wurde mit dem Aschewolken-Opfer perfekt umgesetzt. An dieser Stelle nochmals herzlichen Glückwunsch an den “Erfinder” des besagten T-Shirts.
Abschließend bleibt mir eigentlich nur noch eines dazu zu sagen:
“Sack und Asche!”























Ich finde es gut, dass der ganze Spuk endlich ein Ende hat. Durch die ganze Sache wurde ja mittlerweile genug Schaden angerichtet und viele Berufspendler mussten darunter leiden. Zumindest die Umweltaktivisten werden sich darüber gefreut haben, denn die haben sich ja schon lange einen Tag gewünscht, an dem nicht geflogen wird. Das es nun gleich mehrere Tage werden, fanden sie bestimmt besonders gut. Aber auf der anderen Seite haben wir damit einen großen Beitrag an unsere Umwelt geleistet, wenn auch ungewollt.
Vielen Dank für das Kompliment. Sie sind hier jederzeit willkommen!